Der Friedensläufer

Wo Menschen sich von Gottes Liebe prägen lassen, wird die Welt ein Stück heller.
Anstoß zur Hoffnung (AzH) wurde gegründet, um Menschen in armen Ländern zu helfen und ihnen christliche Werte zu vermitteln. An diesem Ziel arbeitet AzH mit verschiedenen Projekten in Kenia und Burundi. Schwerpunkte sind die Bereiche Sport, Frieden, Bildung sowie die Stärkung von Frauen, von Gemeinschaften und der nächsten Generation.

Es ist der 14. März 1993, ein kalter Tag in Toronto. Die Hallenweltmeisterschaft in der Leichtathletik läuft – und Charles Nkazamyampi ist Teil davon. Bald startet er im 800 m-Finale. Mitten hinein in seine Vorbereitung erhält er einen Anruf aus Burundi: Seine Eltern sind im Bürgerkrieg ermordet worden. Eine Nachricht, die ihn wie ein Schlag trifft.

 

Was dann folgt, ist alles andere als selbstverständlich: Charles läuft. Nicht aus Ehrgeiz, nicht für Ruhm, sondern, wie er später sagt als Zeichen. Er gewinnt bei den Hallenweltmeisterschaften 1993 in Toronto die Silbermedaille. Journalisten fragen, welcher Volksgruppe er die Medaille widmet. Er antwortet: „Ich bin für alle Burundier gelaufen.“ Inmitten von Hass und ethnischer Gewalt setzt er ein Zeichen der Einheit.

 

Hier beginnt eine Geschichte, die zutiefst mit dem Auftrag Jesu verbunden ist: „Ihr seid das Salz der Erde … Ihr seid das Licht der Welt.“ Genau das wird sichtbar. Charles entscheidet sich gegen Hass und Spaltung und für einen anderen Weg, der vom Evangelium her verständlich wird. Nach dem Rennen kehrt er in ein zerstörtes Land zurück. Der Bürgerkrieg hat tiefe Wunden hinterlassen – in Familien, Dörfern, Herzen. Auch Charles trägt diesen Schmerz. Doch er bleibt nicht dort stehen. Er findet zum Glauben an Jesus Christus – und dieser Glaube verändert seine Perspektive grundlegend.

 

Den Mördern vergeben

Vergebung wird für ihn zur entscheidenden Antwort. Er vergibt den Mördern seiner Eltern. Kein leichter Schritt, kein einmaliger Moment, sondern ein Weg. Genau darin wird sichtbar, was Jesus meint: Salz sein heißt, die Wirklichkeit zu verändern. Licht sein heißt, Hoffnung in die Dunkelheit zu tragen.

 

Aus diesem Glauben heraus übernimmt Charles Verantwortung. Er gründet eine Stiftung und arbeitet mit jungen Menschen. Viele Konflikte entstehen dort, wo Perspektiven fehlen. Durch Sport, Begegnung und Projekte bringt er Jugendliche aus verfeindeten Gruppen zusammen. Sie lernen, einander neu zu sehen – nicht als Gegner, sondern als Mitmenschen. Das ist mehr als soziale Arbeit. Es ist gelebter Glaube. Das Evangelium bekommt Hände und Füße. Versöhnung wird nicht nur gepredigt, sondern eingeübt. Hoffnung wird erfahrbar. Die Worte Jesu bekommen dadurch besondere Schärfe: „Ihr seid das Licht der Welt.“ Dieses Licht leuchtet praktisch – in Entscheidungen, im Umgang miteinander, im Mut zur Vergebung.

 

Charles’ Geschichte zeigt: Nachfolge ist konkret. Sie zeigt sich dort, wo es schwer wird. Sie fordert heraus, gegen den Strom zu schwimmen und nicht den Weg von Bitterkeit und Vergeltung zu gehen.

 

Und sie erinnert: Dieser Auftrag gilt für alle. Nicht jeder steht auf einer internationalen Bühne. Aber jeder hat Alltag, Beziehungen, Herausforderungen. Genau dort ist es unsere Aufgabe, als Salz zu wirken und als Licht zu leuchten.

 

Am Ende trägt diese Hoffnung: Gottes Liebe ist stärker als Gewalt, Hass und Dunkelheit. Wo Menschen sich davon prägen lassen – wie Charles –, wird die Welt ein Stück heller.

 

Annika Stadlmeir und Klaus Hess

Anstoß zur Hoffnung (AzH)

KENIA / BURUNDI
  • Sportmission
  • Friedensarbeit
  • Entwicklungszusammenarbeit u. v. m.
  • www.anstoss-zurhoffnung.de

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